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Haltung von Wellensittichen im heimischen Wohnzimmer ohne Käfig - ein Erfahrungsbericht von Marion Schneider

Ich versuche, meine Wellensittiche so artgerecht wie möglich zu halten. Das heißt für mich unter anderem, dass der Käfig nur für 1 oder 2 Tage in der Eingewöhnungszeit und im Krankheitsfall benutzt wird. Ansonsten wurde der Käfig aus dem Wohnzimmer verbannt.

Für diese Art der Vogelhaltung gibt es natürlich einiges zu beachten:

So darf es zum Beispiel keinerlei Ritzen geben, in die ein Vogel reinfallen kann. Schließlich ist nicht immer jemand zu Hause, der mal eben einen Schrank oder ähnliches abrücken kann. Bei Stellen, wo diese Ritzen nicht zu schließen waren (hinter dem Sofa und hinter dem Regal, wo mein Fernseher draufsteht zum Beispiel), habe ich darauf geachtet, dass die Tiere sich nicht einklemmen können und die Möglichkeit haben, bequem wieder alleine dahinter hervor zu marschieren.

Gefäße, in die ein Vogel reinfallen kann, sind zu entfernen. Schubladen und Schränke sind vor dem Schließen auf Vögel zu untersuchen, damit kein Vogel eingesperrt wird.

Des Weiteren ist dringend zu beachten, dass man auch mal Fenster putzen und lüften muss. Hierfür sind Fliegengitter (am besten fest installierte) dringend erforderlich, weil man die Wellensittiche sonst immer wieder einfangen muss.

Sollte ich aus Krankheitsgründen doch einmal einen Vogel einfangen müssen, habe ich mir dafür einen Vogelkescher besorgt. Ich sage aber gleich, dass es nicht einfach ist, mit so einem Teil einen Vogel einzufangen. Man glaubt gar nicht, wie flink so ein kranker Vogel noch sein kann!

Ganz wichtig war mir dann auch, dass die Vögel im Wohnzimmer eine feste Ecke haben, in der sie die meiste Zeit ihres Tages verbringen. Dafür habe ich einen Fensterplatz gewählt. Hier wurden die Gardinen entfernt und das Fenster wurde mit Fensterbildern gesichert, damit die Vögel die Scheibe erkennen.

Unter das Fenster habe ich einen Schrank gestellt, in dem ich vom Futter bis hin zum Grit alles aufbewahre, was für die Vögel so benötigt wird. Aus dem Baumarkt habe ich mir dann ein einfaches Kellerregal aus Holz besorgt und auf den Schrank gestellt. Natürlich habe ich es vorher so weit gekürzt, dass das obere Brett ungefähr auf meiner Halshöhe geendet hat, damit ich sicher gehen konnte, dass ich diese Fläche täglich mühelos reinigen kann. Darauf habe ich dann ein abwaschbares Brett genagelt und dann Futter, Wasser und Grit drauf gestellt.

Dann habe ich vor das Oberlicht noch eine Gardinenstange befestigt, weil sich die Wellensittiche sonst in das Dichtungsgummi des Fensters gekrallt haben. Damit der darunter liegende Fensterrahmen nicht zu sehr vollgekotet wird, habe ich selbstklebendes Klettband darauf gemacht und das Gegenstück an ein Stück Tuch genäht. Damit schütze ich jetzt den Rahmen. Dieses Tuch kann ich jederzeit einfach abnehmen und waschen.

An Decke und Gardinenleiste habe ich dann einen Spielplatz aus frischen Zweigen (ruhig noch mit Blättern) und Korkrinde gestaltet.

Wichtig ist natürlich bei der Gestaltung die Überlegung, dass alles, was sonst in und am Käfig befestigt wurde, jetzt an den Zweigen und am Regal befestigt werden muss!!

Ganz wichtig zu beachten ist auch das Thema Beleuchtung! Wellensittiche dürfen niemals in einem völlig dunklen Raum sein, weil sie dann sofort in Panik geraten. Bei mir ist das sehr einfach, weil ich direkt vor dem Fenster eine Laterne habe. Ansonsten sollte man für die Nacht eine schwach leuchtende Lampe installieren. Da ich mich auf die Laterne nicht gerne verlasse (ich hatte hier schon ein paar Mal Stromausfall bei den Laternen), lasse ich, wenn ich weiß, dass ich erst im Dunkeln nach Hause komme, das Deckenlicht an. Wenn ich dann nach Hause komme lösche ich dieses Licht und warte einen Moment ab, für den Fall, dass noch einer einen anderen Platz aufsuchen möchte und dadurch vielleicht noch mal losgeflogen wird. Nach wenigen Minuten kann man das Zimmer dann beruhigt verlassen. Ich gehe allerdings, wenn ich nachts mal raus muss, immer zu der Vogelecke und zähle kurz meine Wellensittiche, um sicher zu gehen, dass keiner eine nächtliche Wanderschaft angetreten hat. Dann heißt es nämlich: Licht an und Vogel suchen!!

So, ich fasse noch mal die Vor- und Nachteile zusammen:

Vorteile:

  • Die Wellensittiche haben ein völlig natürliches Leben
  • Die Vögel sitzen nicht den halben Tag im Käfig, weil der Mensch vielleicht berufstätig ist oder aus einem anderen Grund schon mal für Stunden das Haus verlassen muss
  • Die Tiere bekommen keine Langeweile, weil sie ihren Tag im ganzen Zimmer frei gestalten können
  • Man kann auch im Sommer ausschlafen, weil die Wellensittiche einen nicht mehr durch ohrenbetäubendes Geschrei wecken, weil sie aus dem Käfig wollen

Nachteile:

  • Keine Tapeten, Bilder oder Bücher sind mehr vor den zerstörungswütigen Schnäbeln sicher
  • Das Zimmer muss noch sicherer sein, als ein Zimmer mit Käfighaltung
  • Der Mensch wird bei der Haltung ohne Käfig in diesem Zimmer in seinem Freiraum sehr eingeschränkt
  • Wenn mal ein Vogel krank wird, muss er gejagt und eingefangen werden, was im Käfig natürlich um vieles leichter ist
  • Man ist seine Vögel ständig irgendwo am suchen, weil Wellensittiche Weltmeister im Sich-Verstecken sind und Wellensittich finden immer eine Stelle, wo sie sich verstecken können

Mit Sicherheit habe ich hier nicht alles aufgeführt, was zu beachten ist, aber nach einiger Zeit lernt man auch viel aus eigener Erfahrung und manches bleibt auch ungeschrieben, weil man es gar nicht erkennt.

Ich wünsche viel Spaß bei der käfiglosen Haltung!

Anmerkung der Webmasterin: Liebe Marion, herzlichen Dank für diesen interessanten und hilfreichen Bericht sowie für die folgenden Bilder aus dem Welliwohnzimmer: